WIE BRANKA SICH NACH OBEN PUTZTE

Fotos: Magdalena Possert, Jürgen Bischof

 

Tragikomödie von Richard Schuberth – Mai 2011 – 3raum Anatomietheater

 

Mit: Susanne Rietz, Eri Bakali, Bernhard Mrak, Oktay Güneş, Richard Schuberth | Regie: Aslı Kışlal | Text: Richard Schuberth | Dramaturgie: Carolin Vikoler | Schauspiel-Coach: Michael Balaun | Regieassistenz: Alev Irmak, Dorothee Joss | Produktionsassistenz: Oktay Güneş | Musik: Uwe Felchle | Bühnenbild, Ausstattung: Markus Liszt | Lichtregie: Joe Albrecht | Tonregie: Michael Winkler | Video: Patrick Bongola | Animation: Bernhard Mrak | Grafik: Eva Schuster | PR: gamuekl | gefördert von Wien Kultur

 

Magistra Moser lebt in ihrer Parallelgesellschaft im siebenten Bezirk.

Sie hasst Staub und Unordnung, die sie und ihren geliebten Esstisch physisch bedrohen. Aber sie mag “Ausländer”. Da macht sie einen großen Fehler.

Sie stellt die Putzfrau Branka an, worauf ihr Leben eine dramatische Wende nimmt. Branka ist ganz anders … anders als Magistra Moser sie haben will. Magistra Moser will mit ihr auf den Balkan fahren, doch Branka will nur… Wird der böse Captain Clean, der immer häufiger aus TV-Werbung und Putzmittelflasche in Magistra Mosers Wahnfantasien dringt, wieder für Ordnung in ihrem Leben sorgen? Ein Spiel der Identitäten und eine bitterböse Parabel auf die sogenannten Ausländer- und Genderdiskurse von Richard Schuberth. Hier gibt es kein Gut und Böse, sondern nur den Widerstreit zwischen fiktiver Ordnung und Chaos. “Wie Branka sich nach oben putzte” zeigt uns auf grauenhaft unterhaltsame Art, welch winzige Wegstrecken uns alle vom Faschismus trennen. Stilistisch ein Hybrid aus Farce, Zauberstück und Sozialreportage.

 

“Shifting identities im Zeitalter der Postglobalisierung … dass das subversive Potenzial nur auf den Hotspots gärt, wo sich die Achsen von Geschlecht, Klasse und Kultur überschneiden …” In solchen Phrasen schwebt Magistra Isabella Moser (Susanne Rietz) durch ihre beinahe ausschließlich weiße, weitgehend (mit Ausnahme ausgewählter edler Designerstücke) leere Wohnung. Kultur- und Sozial-Wissenschafterin mit vordergründig zur Schau gestellten und vor allem zu Gehör gebrachten Sympathien für Fremdes, migrantische Hintergründe. Sie ist die eine der beiden Hauptfiguren des jüngsten fulminanten, ironischen, ein Feuerwerk von Wort- und vor allem Gedankenspielen abfeuernden Stücks von “daskunst”. Als die Frau aus der Parallelgesellschaft des siebenten und achten Bezirks eifersüchtig auszuckt und offene Rassismen ihren Mund verlassen (was natürlich nicht sie, sondern nur irgendeine böse Macht in ihr war…), schleudert ihr auch Branka offen Wahres an den Kopf: “Ihr wollt uns doch so haben, also geben wir euch die Tschuschin, die ihr braucht. Sonst passt es ja nicht in euer Weltbild, dass eine Jugo-Putzfrau Intelligenz zeigt … Isabella du musst nicht so tun, als wärest du wer anderer, als du bist. Migranten sind keine Denkfiguren, wir existieren wirklich. Du kannst die “Ausländer” nicht in wissenschaftliche Referate packen – wir kommen da nämlich wieder raus und begegnen dir …”
(Kiku)

“Was sich bis jetzt keiner in der Form zu sagen traute, wurde in diesem Theater zum Thema und ist keine leichte Kost. Gesellschaftskritik pur, verpackt in einer tollen schauspielerischen Performance, mit abstrakten Elementen und einer vollen Ladung Humor, die man auch dem Zuschauer abverlangt. Und neben der ständigen Beanspruchung der Lachmuskeln, erkennt man den imaginären vorgehaltenen Spiegel für die Gesellschaft. Jeder von uns kann ein Heuchler sein. Frau Moser entpuppt sich als einer. Ich bin einer, du bist einer, wir alle sind es.”
(biber)

“Die Theatertruppe daskunst und das Multitaskingtalent Richard Schuberth haben sich zusammengetan. Mehr als nur Nanonanet!”
(Augustin)

“Nova predstava Richarda Schubertha na uvijek aktualnu iumi odnosa domaci i auslenderi.”
(Kosmo)

“Sehr witzig-spritzig böse Dialoge zwischen den beiden und die Videowall, die den Grundriss der Wohnung zeigt, garantieren für Tempo und die Spielfreude der beiden Darstellerinnen Susanne Rietz (Isabella Moser) und Agorita Bakali als Branka ist ungebremst.”
(KulturFokus.at)

“Als ein Spiel der Identitäten und bitterböse Parabel auf die sogenannten Ausländer- und Genderdiskurse wurde das Theaterstück “Wie Branka sich nach oben putzte” von Richard Schuberth, inszeniert von Aslı Kışlal, angekündigt. Die Premiere hielt, was versprochen wurde.”
(kulturwoche.at)

“Mich interessiert vor allem die Frage: Was passiert, wenn Rassismus nicht überwunden, sondern einfach nur ins Positive gewendet und mit den bunten Farben der Vielfalt ausgepinselt wird?
(Richard Schuberth auf dastandard.at)

“Die bitterböse Parabel auf Ausländer- und Geschlechterdiskurse zieht mit vielen Lachern die Staubphobie und Beziehungsunfähigkeit einer frustrierten Erfolgsfrau durch den Kakao, die ihre Putzfrau zunächst hätschelt wie ein Haustier.”
(Bezirkszeitung Landstraße)