KULTUR MICH DOCH AM ARSCH

Fotos: daskunst

 

Sozialkomödie von daskunst – Okt. 2007 – Theater des Augenblicks

 

Mit: Bernhard Mrak, Oktay Güneş, Erdoğan Yildiz, Susanne Rietz, Ivana Nikoliċ, Ulrike Hübl, Valentin Alfery | TänzerInnen: Martin Duskanich, Lukas Kadan, Philip Staud, Evgenia Guenova, Gamze Şeber | Regie: Aslı Kışlal | Produktion: Carolin Vikoler | Musik: Uwe Felchle | Video: Patrick Bongola | Bühne: Markus Kuscher | Licht: Michael Heidinger | Ton: Michael Winkler | Regieassistenz: Daniela Fohn | gefördert von Wien Kultur

 

“Normal” – was ist das und wer bestimmt das?

Der Unterschied zwischen “normal” und “abnormal” scheint von Anfang an in dieser Geschichte ein wenig “verrückt”. Die Handlung dieses Stückes folgt der Dramaturgie der Verrücktheit und ist somit normal abnormal.

Die Zwillinge Edmund und Edwin werden im Rahmen eines ehrgeizigen Resozialisierungsprojektes in einer psychiatrischen Anstalt ausgewählt, in die Gesellschaft reintegriert zu werden. Am Flughafen angekommen, werden sie von Süleyman, einem türkischen Sozialarbeiter abgeholt, der die Aufgabe übernommen hat, die beiden auf ein selbstständiges Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Doch gleich zu Beginn ist klar, dass Süleyman selbst große Probleme hat. Von der Stadt Wien wird Edwin und Edmund eine Sozialwohnung zur Verfügung gestellt, die sie sich selbst einrichten sollen. Aber Süleyman, der eigentlich keine eigene Bleibe besitzt und noch bei seiner Mutter wohnt, richtet sich hier nicht nur ein Zimmer ein, sondern fordert gar die alleinige Nutzung der Wohnung, wenn er Damenbesuch mitbringt.

Als die vermeintlich schwangere Russin aus dem oberen Stockwerk, nach einem Streit mit ihrem Freund auf Süleymans Einladung hin auch in der Sozialwohnung landet, ist die ungleiche WG perfekt. In dem tagebuchartigen Logbuch von Edmund alias Captain Kirk – geschieht nicht nur die reflexive Verarbeitung des Alltagsgeschehens mit dem sich die beiden Brüder in der Stückhandlung konfrontiert sehen. Dinge, denen wir alle täglich in den Medien begegnen, werden von ihnen bei zu “Zweit im Bild” einer genauen und kritischen Prüfung unterzogen: Die Kuh als Hauptangeklagte im weltweiten Schuldzuweisungs-Prozess um Klimawandel und Ozonloch.

Edmund Stoibers Problembär, der zu einem wird, weil er sich nicht dem Verhaltenskanon menschlicher Vorstellungen ausgewilderter Tierarten unterwirft. “Kultur mich doch am Arsch” ist in erster Linie ein Illusionsstück, das sich mit der scheinbaren Realität spielt und sich so immer wieder selbst unterbricht. Eine schwarze Gesellschaftskomödie, die der Frage nachgeht, wer eigentlich die Grenzen zwischen “normal”, “abnormal”, “andersartig” und “gleichartig” zieht und bestimmt.