
daskunst: DIVERSITY PRIDE 2010 - 2012
Wir lassen uns doch den Gedanken nicht nehmen, das_kunst die Welt verändert!
Für eine offenere Repräsentation der Kulturnation Österreich: DIVERSITY PRIDE! 44% der Wiener und Wienerinnen haben inzwischen einen so genannten Migrationshintergrund – wenn Menschen weiter in einer Wir-Sie-Trennung denken, verbauen wir uns die Gestaltung unser aller Zukunft. Das Theaterensemble daskunst ist ausschließlich zukunftsorientiert und findet es selbstverständlich, dass sich die österreichische Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten hybridisiert hat, und nützt diese kreativen Chancen. Diesen Gedankenvirus der realistischeren Wirklichkeitswahrnehmung tragen wir mit unserer Kunst- und Kulturarbeit zu möglichst vielen Menschen, nicht aus einem christlichen Toleranzgedanken heraus, sondern weil wir einfach so heterogen zusammengesetzt sind – genauso wie unser Publikum – ein paar Menschen aus Österreich, aus Deutschland, der Türkei, aus Kroatien, Slowenien, Serbien, Rumänien, Kongo, GB, Niederlande, Schweiz, Griechenland, Slowakei, Finnland,... – und eine österreichisch-türkische künstlerische Leiterin, names Aslı Kışlal, die alles zusammenführt – man denke an die Möglichkeit einer österreichischen Staatspräsidentin oder Wiener Bürgermeisterin mit türkischen Eltern.
daskunst-Ästhetik der Vielheit und Alltagskultur
Aus dem damaligen Jugendverein Echo entstanden, arbeitet daskunst seit 2004 interdisziplinär. Jedes Jahr produzieren wir zwei große Theaterproduktionen, mehrere kleinere teils soziokulturelle Projekte, haben eine Musikschiene und eine Videoabteilung. In der letzten Saison programmierte daskunst den Spielpan im Theater des Augenblicks, dabei haben wir unseren SympathisantInnenkreis in einem Jahresspielplan ausgeweitet, bis das Theater leider im Sommer 2010 zerstört wurde. In den Erzählungen von 1001 Nacht besiegt das Geschichten-Erzählen den Tod. Der König kann Scheherazade an keinem Morgen köpfen, weil sie am Ende der Nacht immer am spannendsten Teil der Erzählung angekommen ist und schlussendlich wird ihr Gnade zuteil. Auch daskunst setzt auf die Kraft des Geschichten-Erzählens mit einem ordentlichen Schuss Humor, denn die Verhältnisse und sich selbst zu ernst zu nehmen, bringt selten Fruchtbares hervor. Für daskunst ist es wichtig, politisches Theater zu präsentieren, das an Menschen und ihren Erlebnissen interessiert ist und starke Identifikationsfiguren sehen lässt.
Die Arbeiten von daskunst bestehen nicht aus sprachfixiertem Texttheater – wir freuen uns, wenn Menschen, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind, unsere Produktionen trotzdem zu einem großen Teil verstehen. Wir arbeiten mit Videos, Humor, Tempo und Unterhaltung zwischen Leichtigkeit und Message. Die Gradwanderung, dass wir Publikum aller Schichten und verschiedenen Communities ansprechen, beschäftigt uns bei jeder neuen Produktion – aber der Publikumszuspruch lässt uns auf jeden Fall weiter arbeiten, denn wir sind absolut publikumsfixiert. Und wir verstehen uns als Ausbildungsstätte für junge Menschen, die sich vielleicht zur Kunst hingezogen fühlen aber abgeschreckt werden vom strengen Regiment und Sprachfixiertheit an österreichischen Schauspielschulen oder Regieakademien. Hier entsteht eine Subkultur, die bald immer mehr herausragende Produkte produzieren wird, weil sie ihr Selbstbewusstsein nicht verloren haben, was zu sagen haben und sich nicht den Mund verbieten lassen wollen von Gleichmacherei und Assimilation.
Wir sind alle Wien! – Politik & Kunst
Denn die Entwicklung in Österreich geht uns zu langsam vor sich: alle Menschen, die hier länger leben, sollen sich selbstverständlich wohl fühlen können und demokratische Rechte besitzen, nicht nur Steuern zahlen. Österreich ist eben ein langsames Land, daran sind wir aber alle verantwortlich etwas zu verändern bzw. haben die Möglichkeit. Die Wirklichkeit in Österreich hat sich in den letzten Jahren rapide verändert – aber an der offiziellen Repräsentation Österreichs hat sich wenig verändert außer dass der Rassismus präsenter ist. Hier ist der Platz von daskunst und allen, die bei daskunst ausgebildet werden oder die Philosophie teilen – vor allem solange die Menschen jung sind und nicht die Wiener Gemütlichkeit des „passt scho“ übernommen haben. Es gilt wegzukommen von Missionierung, Toleranz und Mitleid – hin zu Chancengleichheit – dafür müssen aber Rahmenbedingungen geschaffen werden, um als KünstlerInnen und nicht (mehr) als ausländische KünstlerInnen und Laien wahrgenommen zu werden. Das ist auch ganz klar eine politische Kampfansage gegen Kräfte des Bewahrens und des Herrenrasse-Denkens. Denn die Geschichte lehrt uns, dass, wo verschiedene Menschen gemeinsam an ihrer Zukunft arbeiten, Fruchtbares hervortritt.
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